Hilfe zur Selbsthilfe

Zwei Dromedare stehen an einem Brunnen von Azalay.

Brunnenbau

An den Brunnen der Wüste treffen sich die Hirten beim Tränken ihrer Herden, Kinder holen Wasser für ihre Mütter, und die Frauen waschen ihre Wäsche. Bei allen Arbeiten tauschen die Menschen Neuigkeiten miteinander aus und pflegen soziale Kontakte. Doch viele Brunnen in der marokkanischen Sahara sind unbefestigt. Die oft sehr tiefen Schächte können bei Stürmen oder heftigen Regenfällen versanden oder einstürzen. Dann müssen sie in tagelanger Arbeit wieder gegraben werden. Noch schlimmer ist es, wenn Tiere oder gar Menschen in die Brunnen fallen.
 
Finanziert mit Spendengeldern, saniert bzw. befestigt Azalay e.V. gefährdete Brunnen, damit sich die Bewohner der Wüste beim Wasserholen sicher fühlen können, oder lässt neue Brunnen errichten. Der Verein hat mittlerweile auf Wunsch der Nomadengemeinschaft 18 neue Brunnen gegraben oder bestehende saniert. Die geeigneten Orte haben die Nomaden ausgewählt, da sie das Terrain und dessen Beschaffenheit genau kennen und den Bedarf am besten einschätzen können.

Medizinische Hilfe

Die Menschen, die in der Wüste leben, sind weitgehend von der staatlichen Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Doch auch außerhalb der Wüste ist die medizinische Versorgung in den ländlichen Gebieten im Süden Marokkos lückenhaft. Das Krankenhaus in Zagora ist das einzige der Provinz mit ihren rund 285.000 Einwohnern. Dort finden die Patienten zwar eine kostenlose Basisversorgung, aber sie müssen vieles zumindest anteilig bezahlen, was darüber hinausgeht – vom Verbandsmull über die Kanülen bis hin zu teuren Medikamenten.
 
Die Meisten im Großen Süden können sich die Behandlung nicht leisten. Darum organisiert Azalay e.V. in Zusammenarbeit mit deutschen und marokkanischen Ärzten Reihenuntersuchungen, einfache Behandlungen, OPs für Patienten mit Grauem Star und Medikamentenspenden für chronisch Kranke, die zum Überleben notwendige Arzneien nicht selbst kaufen können.

Eine Frau in schwarzer Malifa sitzt vor einem einfachen Webstuhl, der an die Wand gelehnt ist. Sie webt einen Teppich für die Kooperative von Azalay e.V.

Frauenkooperativen

Die Gründung von zwei Teppich-Kooperativen hat vielen Frauen die Möglichkeit verschafft, zum Unterhalt ihrer Familien beizutragen. Azalay e.V. und Association Azalay haben passende Räumlichkeiten gesucht, mit Spendengeldern eine Erstausstattung für die Webereien angeschafft und eine Weblehrerin engagiert, die die Frauen im Umgang mit den professionellen Webstühlen geschult hat.

Diese Kooperativen sind ein ideales Beispiel für gelungene Hilfe zur Selbsthilfe. Denn außer dieser Starthilfe haben die Frauen keine weitere Unterstützung benötigt und können seitdem selbstständig und unabhängig arbeiten. Sie entwerfen die Muster, kalkulieren die Preise und verkaufen die Teppiche und weitere Handarbeiten, mit denen sie ihr Sortiment im Laufe der Zeit erweitert haben an Reisende, Händler und an Familien aus der Umgebung.

Die Einnahmen verwalten die Mitglieder der Kooperative gemeinsam und legen einen Teil des Geldes für den Kauf neuer Wolle zurück.

Ein Mann in typischem hellblauen bodenlangen Gewand geht durch eine Tür. Vor der Tür steht sein Handwagen, mit dem er Waren transportiert. Damit verdient er sein Geld.

Patenschaften

Das Patenschaftsprogramm von Azalay e.V. unterstützt Familien, in denen niemand in der Lage ist, Geld zu verdienen. Zu den Empfängern eines festen monatlichen Geldbetrags gehören zum Beispiel verwitwete Frauen oder Männer, die ihre Kinder alleine ernähren müssen; Menschen, die aufgrund einer schweren Krankheit oder einer Behinderung nicht mehr arbeiten können; nomadisch lebende Familien, die aufgrund der Trockenheit oder von Unwettern ihre Tiere und mit ihnen ihre Lebensgrundlage verloren haben.
 
Neben der finanziellen Zuwendung ist die moralische Unterstützung für die Empfänger ein wichtiger Aspekt: Viele Familien verwenden die monatliche Zahlung dafür, kleine Projekte für ihre Existenzsicherung in Angriff zu nehmen – sei es der Kauf von Waren, mit denen sie einen kleine Handel betreiben, oder die Finanzierung des Schulbesuchs für die Kinder. Bei mehreren Familien konnten wir die Unterstützung nach einigen Jahren einstellen, weil die Kinder nach ihrem Schulabschluss und einer Ausbildung eine Arbeit gefunden haben und ihre Eltern und jüngeren Geschwister unterstützen können.

Ein Tourist reitet auf einem Dromedar. Ein Nomade in blauer Gandura führt das Dromedar an einem Seil über eine Düne.

Arbeitsplätze

Gemeinsam mit seinem marokkanischen Schwesterverein Association Azalay Maroc hat Azalay e.V. den Nomaden Starthilfe zur Gründung der Reiseorganisation Renard Bleu Touareg geleistet. Die Agentur organisiert Wüstentouren und betreibt zwei Gästehäuser; eines am Rande der Palmenoase bei Zagora im Draa-Tal, eines am Atlantik in der Nähe von Essaouira.
Renard Bleu Touareg erhielt für sein sozialverantwortliches Tourismuskonzept 2003 den To-Do!-Preis des Studienkreis Tourismus und Entwicklung e.V. und im Jahr 2018 die Eco Trophea des Deutschen Reiseverbands.
 
Mit den sozial- und umweltverträglichen Sahara-Trekkings gibt Renard Bleu Touareg den Reisenden einen Einblick in die Lebensweise der Wüstenbewohnerinnen und -bewohner. Gleichzeitig erschließen sich ihnen mit den Wanderreisen eine Einkommensquelle und die Möglichkeit, ihre traditionelle Lebensweise beizubehalten.
Die Reiseagentur Renard Bleu Touareg und das Hotel Ryad Sauvage Noble unterstützen die Projekte des Azalay e. V. logistisch und finanziell.

Eine junge Frau schreibt mit Kreide auf eine Tafel. Die Lehrerin in weißer Malifa schaut, was die Schülerin auf arabisch schreibt.

Bildung/Alphabetisierung

Vor den Toren des Ortes Mellal, 10 Kilometer nördlich von Zagora, haben sich rund 30 Nomadenfamilien niedergelassen. Sie hatten wegen der anhaltenden Trockenheit ihre Herden und damit die Grundlage für das Überleben in der Wüste verloren und mussten die Wüste verlassen. Die Erwachsenen haben niemals eine Schule besucht und können daher weder lesen noch schreiben.
 
Damit sie sich  im Leben außerhalb der Wüste leichter zurechtfinden können, organisiert und finanziert Azalay e. V. Alphabetisierungskurse für sie. Das Angebot richtet sich vor allem an Frauen, denn sie sind in der nomadischen Gesellschaft die Kulturträgerinnen. Lehrerin Fatimah unterrichtet ihre ungewöhnliche Schulklasse meist in zwei Schichten: Morgens lehrt sie die Mädchen Lesen und Schreiben, die für einen Schulbesuch mittlerweile zu alt sind; am Nachmittag treffen sich die erwachsenen Frauen zum Lernen. Mit Erfolg, denn heute können sie zum Beispiel die Preisschilder für die Teppiche ihrer Webkooperative selbst beschriften.